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Sparen wo man nur kann – Lebensversicherung in Gefahr?

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Ich hab gehört, es hat sich schon mal jemand tot gespart. Es ist schon fast lustig, und sowieso ein Zeugnis der Unfähigkeit, wenn auf jede sich verschlechternde Marktsituaton mit massiven Einsparungen reagiert wird. Ein Beweis dafür, dass denen einfach nichts anderes mehr einfällt. Auf jede markttechnische Herausforderung wird mit Umstrukturierung und Einsparung reagiert. Klar, kurzfristig kriegt man dadurch die EBIT-Marge wieder etwas höher, aber langfristig ist das ein Teufelkreis. Man hat doch da keine Lebensversicherung, denn iwann wird es nicht mehr funktionieren. Aber welchen Manager interessieren schon langfristige Folgen – nach mir die Sintflut. Falls ich es nicht packe, trete ich zurück und kassiere noch ne nette Abfindung, um die Zeit der Langeweile zu überbrücken, die vergeht, bis ich in den nächsten Aufsichtsrat gewählt werde und das nächste Unternehmen in den Sand setze. Früher waren rückläufige Umsätze und der Marktwettbewerb als Motor für Innovation und Kreativität gedacht. Wenn mir die Kunden weglaufen, dann muss ich halt schauen, warum das so ist und mir etwas einfallen lassen. Innovative, neue Produkte und Angebote wären da gefragt, die den Kunden wieder zurückholen. Bei der Telekom wäre das
sogar relativ einfach gewesen: einfach mehr Service. Die Konditionen für Service-Mitarbeiter verbessern, etwas flexibler im Umgang mit den Wünschen des Kunden sein und vor allem die hauseigene IT soweit auf Vordermann bringen. Das alles – das letzte mal ausgenommen – hätte wahrscheinlich nur ein Bruchteil dessen gekostet, was die Folgen von Auslagerungen und Kündigungen gewesen wären: nämlich Streiks und Abfindungen. Und nicht zu vergessen die Kunden, die wegen solcher Hiobsbotschaften den Anbieter wechseln. Oder ganz einfach eine bewusste, öffentliche Betonung einer sozial-verträglichen Unternehmenspolitik. Wenn sich eine Sparte wirklich nicht mehr rentiert und auch in keiner Weise Besserung in Aussicht ist, dann entlasse ich nicht die Mitarbeiter sondern schule sie auf andere Bereiche um. Aber sobald wir auch nur 1 Cent sparen können, werden alle Hebel in Gang gesetzt um das auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Ansatt Qualität und Verantwortung zählen heute niedrige Kosten. Dass erstere und Kundenzufriedenheit dabei weitesgehend auf der Strecke bleiben interessiert zur Zeit niemanden. Erst wenn wieder scharenweise die Kunden deshalb weglaufen, dann wird reagiert. Und mit was? Richtig! Mit Einsparungen, wo es nur geht. Und wir als Verbraucher unterstützen es noch: bei der Kaufentscheidung und an der Börse. Den Anleger interessiert kein Unternehmensklima, keine moralischen Entscheidungen, keine soziale Kompetenz, sondern nur eins: Rendite, Rendite, Rendite. Dass er aber selbst gerade deshalb bald kein Geld mehr haben wird, was er and er Börse anlegen kann, weil er nämlich keinen Job mehr hat, interessiert ihn auch nicht. Und selbst wenn er Geld hat – Geiz ist ja geil, wir kaufen immer konsequent das billigste. Über kurz oder lang wird sich das rächen, und zwar an uns allen.

Written by admin

July 1st, 2010 at 10:27 am

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